"Krankheitsfrüherkennung wird behindert"
VKVD kritisiert Versäumnisse von Politik und KBV - 15 000 Besucher beim ersten "Tag des offenen Labors"
Berlin - "Deutschlands gesetzlich Krankenversicherte werden labormedizinisch nicht mehr ausreichend versorgt." Diesen Vorwurf erhob der Präsident des Verbands der Krankenversicherten Deutschlands (VKVD), Heinz Windisch, zum Abschluss des ersten bundesweiten "Tag des offenen Labors" gegenüber der Politik und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV).
Windisch sagte heute (9.) in Berlin, statt die Chancen zu nutzen, die die Labormedizin für die Krankheitsfrüherkennung und damit zur Kosteneinsparung biete, werde die Labormedizin behindert. Dies belegten die dem VKVD vorliegenden Statistiken. Die Schuld dafür sieht der VKVD-Präsident im bestehenden Honorierungssystem. "Die Ärzte werden finanziell dafür belohnt, wenn sie Untersuchungen möglichst vermeiden." Oftmals, so Windisch, würden nur noch Laboruntersuchungen veranlasst, die unbedingt notwendig seien und deren Unterlassung rechtliche Konsequenzen hätte. Neue Testverfahren stünden den Mitgliedern der gesetzlichen Krankenversicherung oft gar nicht zur Verfügung. Dies sei für den VKVD, der die Interessen der Krankenversicherten vertrete, nicht länger hinnehmbar.
Der VKVD-Präsident sieht darin außerdem einen eklatanten Widerspruch zu den verbalen Bekenntnissen der Politiker: Statt die Chancen der modernen Labormedizin für die Krankheitsfrüherkennung zu nutzen, werde die Labormedizin systematisch behindert. Windisch warnte Politik und Kassenärztliche Bundesvereinigung dringend davor, die Labormedizin in Deutschland noch weiter einzuschränken.
Um auf diese Missstände aufmerksam zu machen, hatte der Verband der Krankenversicherten Deutschlands am Samstag (8.) den ersten bundesweiten "Tag des offenen Labors" initiiert. Rund 60 laborärztliche Praxen und Institute in der ganzen Bundesrepublik beteiligten sich an dieser Aktion, die vom Berufsverband Deutscher Laborärzte (BDL) sowie dem Verband der Diagnostica-Industrie unterstützt wurde. Nach der vorläufigen Auswertung besuchten rund 15 000 Bürger die Labore und Praxen und informierten sich über die Arbeit der Laborärzte. Viele Besucher nutzten die Gelegenheit und nahmen an kostenlos angebotenen Gesundheitstests teil.
Der Präsident des VKVD, Heinz Windisch, wie auch der Vorsitzende des Berufsverbands Deutscher Laborärzte, Dr. Utz Merten, werteten den ersten "Tag des offenen Labors" als ermutigenden Erfolg. Die hohe Teilnehmerzahl unterstreiche das große Interesse der Bevölkerung an einer qualitativ hochwertigen gesundheitlichen Versorgung.
Hinweis:
Der "Deutsche Labortag" am 5. Juni in Berlin sowie der bundesweite "Tag des offenen Labors" am 8. Juni 2002 wurde vom Verband der Krankenversicherten Deutschlands (VKVD) initiiert und wird vom Berufsverband Deutscher Laborärzte (BDL), Delab - Fortbildung im medizinischen Labor e.V. sowie dem Verband der Diagnostica-Industrie (VDGH) unterstützt.
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