Diabetes-Versorgung gefährdet: Politik muss handeln
Berlin, 25. Januar 2002
Die medizinisch ausreichende Versorgung der Diabetiker ist nach Auffassung des Verbands der Krankenversicherten Deutschlands (VKVD) massiv gefährdet. Die Initiatoren des "Nationalen Aktionsplan Diabetes", den der Bundestag im Jahr 2001 beschlossen hatte, müssten jetzt handeln, forderte der VKVD heute in Berlin. Als Indiz für die drohende Unterversorgung sieht der Patientenverband einen Fall in der Hauptstadt. Dort soll ein Arzt mit 170 000 Euro wegen seiner Diabetes-Behandlung mit zweifelhafter Begründung in Regress genommen werden.
VKVD-Präsident Heinz Windisch sieht damit seine Befürchtungen bestätigt, die er bereits bei der öffentlichen Anhörung des Bundestagsgesundheitsausschusses zum sogenannten "Nationalen Aktionsplan Diabetes" dargelegt hatte: "Unter Budgetbedingungen ist eine gute Versorgung der Diabetiker nicht möglich." Zwar sei das Globalbudget in der Zwischenzeit aufgehoben worden. Nach wie vor müsste der einzelnen Arzt jedoch geltenden Richtgrößen beachten. In den Richtgrößenvereinbarungen seien insulinbehandelte Patienten zwar als Praxisbesonderheit anerkannt worden. Wie viele Einheiten Insulin und wie viele Blutzuckerteststreifen verordnet werden dürfen, wurde jedoch nicht geregelt. Diese Lücke werde nun zu Lasten der Patienten ausgelegt. In dem Berliner Fall gesteht der Prüfungsausschuss einem Diabetiker nur 35 Insulineinheiten pro Tag sowie einen Teststreifen alle zwei Tage zu, obwohl das Dreifache eher dem tatsächlichen Bedarf für eine gute Einstellung entspricht.
VKVD-Präsident Windisch forderte die Politik auf, den Widerspruch der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin gegen diese Forderung beim zuständigen Beschwerde-Ausschuss zu unterstützen. Was nütze es den Betroffenen, wenn ein "Nationaler Aktionsplan Diabetes" besteht, aber die Versorgung auf ein Niveau absinkt, bei der Folgeerkrankungen programmiert seien. Die Initiatoren des Aktionsplanes müssten sich jetzt aktiv in die laufenden Verhandlungen einschalten, um zu verhindern, dass hier ein Präzedenzfall geschaffen wird, der zu einem deutlichen Rückgang der guten Versorgung von Diabetikern führt.
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