15 Millionen Mark Belohnung für sparsame Berliner Ärzte -
Schwerstkranke bald unterversorgt?
Kassenärzte sollen Zuschüsse in Millionenhöhe bekommen, wenn sie weniger Arzneimittel verschreiben.
Hemsbach / Berlin 2. Juli 2001 - 15 Millionen Mark mehr können Berliner Ärzte verdienen, wenn sie den Patienten weniger Arzneimittel verschreiben, so der in der letzten Woche geschlossene Vertrag zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung (KV Berlin) und der AOK Berlin. Der Interessenverband der Betroffenen, der Verband der Krankenversicherten Deutschlands (VKVD), befürchtet nun eine massive Unterversorgung insbesondere chronisch Kranker und forderte deshalb heute die KV und die AOK Berlin auf, diesen Bonus-Vertrag nicht umzusetzen. "Mit diesem Vertrag werden Ärzte verführt, sich auf Kosten der Patienten zu bereichern", warnt Heinz Windisch, Präsident des Verbandes der Krankenversicherten Deutschlands, "auf dem Rücken der Krankenversicherten wird jetzt eine Zwei-Klassen-Medizin vorangetrieben, bei der die Patienten die Verlierer sind".
Der Vertrag sieht vor, den Berliner Kassenärzten ein zusätzliches Honorar in Aussicht zu stellen, wenn sie in diesem Jahr 4,5 Prozent weniger Arzneimittel verordnen als im Vorjahr. Selbst wenn die Verordnungskosten gleich bleiben, erhalten die Ärzte immer noch 5 Millionen DM mehr Honorar.
Noch im Jahr 2000 hatten die Berliner Ärzte das Arzneimittel- und Heilmittelbudget um 13 Prozent überschritten. Damals hatte der KV-Chef Dr. Manfred Richte-Reichhelm erklärt, die Berliner Ärzte könnten wegen der besonderen Umstände, insbesondere wegen des hohen Anteils an AIDS-Kranken in der Hauptstadt, ohne Qualitätsverlust nicht sparsamer verordnen. Jetzt ist er der Auffassung, durch finanzielle Anreize seine Ärzte doch zu Einsparungen in Millionenhöhe bewegen zu können und trotzdem eine qualitative Patientenversorgung zu gewährleisten. Das würde bedeuten, dass die Berliner Ärzte bisher unnötige und zu teure Medikamente verordneten. Auch die Gesundheitskasse AOK würde von diesen Medikamenten-Sparmaßnahmen in bis zu dreistelliger Millionenhöhe profitieren, da lohnt sich schon ein so "bestechendes" Angebot an die Berliner Ärzte.
Bonus-Verträge sind falsche Anreize, besonders chronisch Kranke qualitativ zu behandeln. Das sieht Heinz Windisch, Präsident des VKVD, als Einstieg in die Zwei-Klassen-Medizin. Künftig muss sich ein behandelnder Arzt zwischen seinem hippokratischem Eid, den Kranken zu helfen, und dem eigenen Profit entscheiden. "Dies kann", so Heinz Windisch "keine Grundlage für die Therapie und Heilung von Krankheiten sein und würde das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient weiter beschädigen".
Verband der Krankenversicherten Deutschlands e. V. (VKVD)
Ahornstr. 3
69502 Hemsbach
Telefon: 06201/49 39 23
Telefax: 06201/49 39 24
Mail: VKVD@t-online.de
Diese Pressemitteilung steht sowohl im Adobe PDF-Format als auch in Form einer Word-Datei für Sie zum Herunterladen auf Ihren Rechner bereit:
|